, René Maeder

Bevor Tee britisch wurde, war er schon in Amsterdam

Lange bevor Tee zur britischen Teestunde mit Milch und Zucker wurde, war Amsterdam einer der frühen europäischen Knotenpunkte für Tee aus China. Über die VOC kamen chinesische Exporttees, Porzellan und Teegeräte nach Europa – und Tee wurde in den Niederlanden früher Teil bürgerlicher Alltagskultur, als man heute vielleicht denkt.

Wenn wir in Europa an Tee denken, landet der Gedanke schnell in Grossbritannien: Schwarztee, Milch, Zucker, Afternoon Tea. Die frühe europäische Teegeschichte führt aber nicht nur nach London. Sie führt auch nach Amsterdam.

Über die VOC, die Niederländische Ostindien-Kompanie, kamen ab dem 17. Jahrhundert chinesische Exporttees, Porzellan und Teegeräte nach Europa. Anfangs war Tee ein teurer Luxus für wohlhabende Kreise. Im 18. Jahrhundert wurde er in Amsterdam aber zunehmend Teil bürgerlicher Alltagskultur – nicht nur als Getränk der Oberschicht, sondern auch in einfacheren Haushalten.

Dabei ging es nicht um Assam, Ceylon oder Teebeutel. Das sind viel spätere Kapitel der Teegeschichte. Die alten Handelsnamen klingen heute fremd: Bohea, Congou, Souchong, Pekoe, Hyson. Gemeint waren chinesische Exporttees aus Fujian, dem Wuyi-Gebirge und anderen Regionen – von grünen Tees bis zu dunklen, teils oder stärker oxidierten Tees.

Eine kleine Korrektur lohnt sich: «Schwarztee» im frühen Europa meint nicht den heutigen kräftigen Assam. Er meint chinesische Exporttees – von dunklem, oolong-artigem Bohea bis zu bewusst oxidierten Tees wie Souchong und Congou. Und nein: Der Tee wurde nicht auf dem Schiff schwarz. Er wurde in China gezielt so verarbeitet. Stärker oxidierte und geröstete Tees überstanden die lange Seereise einfach besser.

Während Grossbritannien später eine eigene, kräftige Schwarztee-Kultur entwickelte, blieb die niederländische Teegeschichte näher an der Vielfalt chinesischer Exporttees: grüne Tees, dunkle Wuyi-Tees, Porzellan, Handel und bürgerliche Teetische.

Und Amsterdam ist auch heute wieder ein spannender Teeort. Mit dem Amsterdam Tea Festival, dessen nächste Ausgabe am 30. Januar 2027 geplant ist, gibt es dort eine junge, lebendige Szene, die Teekultur, Workshops, Keramik und zeitgenössische Formate zusammenbringt.

Genau das macht die Stadt für Teeliebhaber reizvoll: In Amsterdam begegnen sich frühe europäische Teegeschichte und heutige Teeszene auf engem Raum. Für den Teeclub Schweiz könnte das ein schönes Reiseziel werden. Wir klären gerade ab, ob daraus eine kleine Clubreise entstehen kann.

Amsterdam Tea Festival 2027 am 30. Januar 2027 von 10 bis 19, Gedempt Hamerkanaal 231